Sie sind hier

Gebt Eure Unterschrift für Asylsuchende in Rostock !

Die Antirassistische Initiative Rostock A.I.R ruft Unterstützer_innen dazu auf bis nächsten Dienstag entweder die Unterschriftenliste im Freigarten im PWH Rostock zu unterzeichnen oder aber selbst aktiv zu werden und Unterschriftenlisten auszudrucken und bis Dienstag, den 18.06, gesammelte Unterschriften im PWH abzugeben.

Aber worum geht es eigentlich?

Sehr geehrte Damen und Herren,

Anbei senden wir Ihnen im Namen der Flüchtlinge in Rostock einen offenen
Brief, der sich an die Stadt Rostock richtet. Sie fordern damit eine
professionelle und respektvolle Beratung und Betreuung, sowie eine starke Willkommenskultur für Flüchtlinge in Rostock ein. Anlass des von
den Flüchtlingen verfassten offenen Briefes ist die Kündigung des
Ökohaus e.V. durch die Stadt Rostock.
Der Verein Ökohaus betreibt seit 12 Jahren die Flüchtlingsunterkunft in
der Satowerstraße. Derzeit wird die künftige Betreibung der
Flüchtlingsunterkunft ab September 2013 von der Stadt Rostock neu
ausgeschrieben. Die Flüchtlinge haben Angst, dass die Entscheidung über
die weitere Trägerschaft zu ihrem Nachteil ausfällt und wollen sich daher mit dem offenen Brief für ihr Recht auf eine professionelle und
respektvolle Beratung und Betreuung, sowie für eine starke
Willkommenskultur einsetzen.
Wir unterstützen dieses Anliegen und bitten Sie, dies ebenfalls zu tun.
Als ErstunterzeichnerInnen des Briefs treten die Bewohnenden und
ehemaligen Bewohnenden der Flüchtlingsunterkunft auf, als
ZweitunterzeichnerInnen alle weiteren UnterstützerInnen des Briefes.

Wenn Sie den offenen Brief unterstützen möchten, schreiben Sie bis zum
18.6.2013 (Dienstag) eine Email an antira@systemausfall.org

Gerne können Sie den Brief mit der Bitte um Unterstützung weiterleiten!

Offener Brief von den Flüchtlingen aus Rostock

„Nur so lässt sich das Leben im Lager für uns einigermaßen aushalten.“
Für eine professionelle und respektvolle Beratung und Betreuung, sowie
eine starke Willkommenskultur für Flüchtlinge in Rostock!

> Sehr geehrte Mitarbeiter des Sozialamts,
> Sehr geehrte Mitglieder der Rostocker BürgerInnenschaft,
> Sehr geehrte Dr. Liane Melzer (Senatorin Jugend und Soziales,
> Gesundheit, Schule und Sport, Kultur)
> Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Roland Methling,

Wir, die Asylsuchenden aus Rostock, sind schockiert über die Kündigung
des Ökohaus, dem jetzigen als Betreiber des Flüchtlingslagers!
Wir fordern, auch zukünftig von einem kompetenten und professionell
arbeitenden Team beraten und betreut zu werden.
Wir haben in der Zeit, in der wir hier in Rostock in einem
Flüchtlingslager leben, viel Respekt, Aufklärung, Unterstützung und
einen menschenwürdigen Umgang durch die Sozialarbeiter des Ökohaus erfahren.

Wir können die Sozialarbeiter alles fragen – egal ob es um formale
Anträge, unser Asylverfahren oder um private Probleme geht. Aufgrund der verschiedenen Sprachkenntnisse der Sozialarbeiter können wir mit ihnen unsere Probleme versuchen, zu lösen. Wenn sie unsere Sprache nicht
sprechen, organisieren sie Dolmetscher.
Sie nehmen sich Zeit für uns und besprechen wichtige Dinge mit uns in
einem extra Zimmer, damit unsere Dinge vertraut behandelt werden. Sie
beantworten uns ausführlich und respektvoll alle wichtigen Fragen, so
dass wir es verstehen. Und wenn sie keine Antwort wissen, sagen sie uns,
wo wir Hilfe finden. Auch private Sachen können wir mit ihnen jederzeit
besprechen.
Auch diejenigen von uns, die in eine Wohnung ziehen durften oder dürfen,
und damit vor vielen neuen Herausforderungen in dem neuen Umfeld stehen,
können auch nach dem Auszug aus dem Flüchtlingslager jederzeit bei den
Sozialarbeitern um Hilfe bitten und werden nicht abgewiesen.

Wenn wir Post bekommen und nicht verstehen, was da drin steht, erklären
uns die Sozialarbeiter, was in dem Brief steht und was es für uns
konkret bedeutet. Sie bewahren immer einen vertrauensvollen Umgang und klären uns über unsere Rechte auf, zum Beispiel wenn wir eine Ablehnung des Asylverfahrens erhalten, dass wir nur innerhalb sehr kurzer Zeit Widerspruch dagegen einlegen können. Wir kennen Flüchtlinge in anderen Flüchtlingslagern, die darüber zum Beispiel nicht aufgeklärt wurden, was zur Abschiebung führt oder die Betroffenen in die Illegalität zwingt.

Die Mehrsprachigkeit und intensiven Aufklärungs- und
Willkommensgespräche helfen den neu angekommenen Flüchtlingen, sich zu orientieren. Das ankommen wird uns dadurch sehr erleichtert.
Neben dem Organisieren von Arztterminen oder anderen wichtigen Terminen, organisieren die Sozialarbeiter außerdem Dolmetscher für uns. Vor allem die neu angekommenen Flüchtlinge sind ohne Dolmetscher zum Beispiel bei Behördenterminen verloren. Sie können nicht für ihre eigenen Rechte eintreten und ihre Dinge selbst klären. Daher ist das Bemühen der
Sozialarbeiter um Dolmetscher von sehr großer Wichtigkeit.

> Ein anderer wichtiger Punkt ist die Hilfe bei Anträgen. Die
> Sozialarbeiter stellen für uns oder mit uns gemeinsam alle möglichen
> Anträge – ob Anträge für Kinderwägen, Anträge für Dolmetscher-Kosten,
> Anträge für Fahrtkosten zu Gerichtsterminen, Anträge für eine dezentrale
> Unterbringung in Wohnungen und viele weitere Anträge. Ohne diese Hilfe
> sind die meisten mit solchen formalen Anträgen überfordert, da die
> Anträge nur auf deutsch und oft kompliziert sind.
> Die Sozialarbeiter haben 12 Jahre Erfahrung mit der Betreuung von
> Flüchtlingen in Rostock und kennen sehr viele Menschen in der Stadt
> persönlich, z.B. Ärzte, Beratungsstellen, Rechtsanwälte, Mitarbeiter von
> Ämtern und Behörden, das Frauenhaus, Dolmetscher, Sportvereine und
> Soziale Netzwerke. Diese Kontakte sind für uns sehr dienlich.

Wir bekommen auch Unterstützung, um eigene Ideen und Projekte zu
verwirklichen. Wir können zum Beispiel den großen Raum im Büro für Feste
benutzen. Gemeinsam mit freiwilligen Helfern können wir unser Sommerfest auf dem Gelände des Lagers machen und bekommen dabei auch Unterstützung von den Sozialarbeitern.
Freiwillige Helfer bekommen in der Satowerstraße sehr viel Raum, um Angebote der Unterstützung für uns zu machen. So gibt es regelmäßig eine Kinderbetreuung, Hausaufgabenhilfe, Sportangebote, Ausflüge und
Sprachkurse. Die Sprachkurse werden für Anfänger und Fortgeschrittene
angeboten. Außerdem gibt es einen extra Frauenkurs.
Diese Angebote unterstützen uns ganz konkret in unserem alltäglichen
Leben. Durch den Kontakt zu den Helfern bekommen wir außerdem Kontakt zu Deutschen und erfahren viel über unser neues Lebensumfeld. Dadurch fühlen wir uns weniger abgeschnitten vom Rest der Gesellschaft.
Das wird auch durch das w-lan unterstützt. Wir können für sehr wenig
Geld Internet nutzen. Dadurch können wir Kontakt zu unseren Familien und
Freunden in unsere Heimat halten und mitbekommen, was in der Welt los ist.
Von Freunden in anderen Lagern wissen wir, dass es dort kein Internet gibt.
Wenn wir internationales Fernsehen sehen wollen, brauchen wir uns keine
eigene Satellitenanlage zu kaufen. Wir empfangen über einen
Kabelanschluss viele Sender aus unseren Ländern und müssen dafür nichts
bezahlen. Auch das keine Selbstverständlichkeit in einem Flüchtlingslager.
Diese Dinge sind aber sehr wichtig für uns, um den Kontakt in die Heimat
zu behalten. Unsere Heimat gehört zu unserer Identität auch wenn wir
geflohen sind. Sie ist trotzdem ein Teil von uns.

Die Atmosphäre in der Satowerstraße ist sehr respektvoll und freundlich.
Wir fühlen uns hier willkommen anders als an vielen vorherigen
Stationen. Wir haben Angst, dass sich die Situation ändern könnte. Wir
wollen diese vergleichsweise guten Bedingungen nicht verlieren und
wünschen uns, dass wir diese Unterstützung auch in Zukunft bekommen! Nur so sind wir dazu in der Lage, die wenigen Rechte, die uns zustehen,
wahrzunehmen. Nur so lässt sich das Leben im Lager für uns einigermaßen
aushalten!

Mit vielen Grüßen,
die Flüchtlinge aus Rostock